Warum blühen Pflanzen im Winter?
Was für eine Freude: Blüten im Winter oder im Vorfrühling! Während der Garten scheinbar ruht, sorgen winterblühende Pflanzen für Farbe, Duft und wertvolle Nahrungsquellen für erste Insekten. Trotz Kälte, Feuchtigkeit und kurzer Tage haben sich einige Gehölze und Stauden perfekt an diese besonderen Bedingungen angepasst.

Warum blühen manche Pflanzen im Winter?
Der wichtigste Grund ist das fehlende Blätterdach der Gehölze. Dadurch gelangt deutlich mehr Licht bis zum Boden - ein entscheidender Vorteil für Winterblüher. Gleichzeitig werden die Pollen windbestäubter Pflanzen weniger von Ästen und Blättern abgefangen und erreichen so leichter andere Blüten.
Auch erste, bereits aktive Insekten profitieren vom frühen Nahrungsangebot und übernehmen die Bestäubung. Ein weiterer Vorteil: Konkurrenzvermeidung. Da nur wenige Pflanzen gleichzeitig blühen, steigen die Chancen auf eine erfolgreiche Bestäubung erheblich.
Wann wird die Blütenbildung unterbrochen?
Bei Temperaturen unter etwa 8 °C öffnen sich keine weiteren Blütenknospen. Die Pflanzen legen ihre Entwicklung dann sprichwörtlich "auf Eis". Erst in milderen Wetterphasen mit Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt kommt es zu einer Vollblüte - oft begleitet von Insektenbesuch.
Wie schützen sich Winterblüher vor Frost?
Winterblühende Pflanzen verfügen über erstaunliche Frostschutzmechanismen:
Der Winterjasmin (Jasminum nudiflorum) blüht über viele Monate hinweg. Da sich seine Knospen nicht gleichzeitig öffnen, ist der Verlust einzelner Blüten durch Frost unproblematisch - für stetigen Blütennachschub ist gesorgt.
Die Zaubernuss (Hamamelis japonica, Hamamelis mollis) rollt bei starkem Frost ihre bandförmigen Blütenblätter ein und öffnet sie erst wieder bei Temperaturen über 0 °C. Dieser Vorgang kann sich während der langen Blütezeit zwischen Dezember und April mehrfach wiederholen.
Besonders attraktive Pflanzen, die im Winter blühen
Viele Winterblüher fühlen sich an geschützten Standorten - etwa im Eingangsbereich, an Terrassen oder vor Hauswänden - besonders wohl. Nachfolgend eine Auswahl bewährter und attraktiver Arten:
Das winterblühende Spitzengehölz überhaupt: Kamelien (Theaceae). Sie blühen zwischen Dezember und April, benötigen jedoch Winterschutz (Laubabdeckung, Reetmatten), durchlässige, saure Böden sowie sonnige bis halbschattige Standorte.
Winterjasmin (Jasminum nudiflorum). Ideal zur Begrünung sonniger Südwände, Flechtzäune und Atriumgärten. Gelbe Blüten von Dezember bis März / April. Anspruchslos auf nahezu jedem Gartenboden.
(Stachyurus praecox). Etwa 2 m hoher Strauch mit weißlichen Blütentrauben von März bis April. Für humose Böden in sonnigen bis halbschattigen Lagen.
(Hamamelis mollis, Hamamelis japonica). Sommergrüner Großstrauch bis 5 m Höhe. Gelbe oder rote Blüten von Dezember bis März / April. Besonders wertvoll als Solitärgehölz.
(Viburnum bodnantense 'Dawn'). Bis 3 m hoch, mit stark duftenden, weiß-rosa Blüten von November bis April. Wichtig für früh fliegende Insekten.
Schmuck-Mahonie (Mahonia bealei). Immergrüner Strauch mit gelben, duftenden Blüten von Februar bis April. Bevorzugt halbschattige, geschützte Standorte.
(Abeliophyllum distichum). Zierlicher Strauch mit zartrosa, mandelduftenden Blüten von Februar bis April.
Scheinhasel (Corylopsis pauciflora, Corylopsis spicata). Hellgelbe, glockenförmige Blüten im März mit feinem Primelduft.
(Helleborus niger). Robuste Staude für Gehölzrand und Töpfe. Blüte von Dezember bis März.
(Hepatica nobilis). Heimische Waldstaude mit blauer Blüte im März. Ideal für halbschattige, kalkhaltige Böden.

Selbstverständlich zählen auch Schneeglöckchen, Winterlinge, Krokusse sowie viele weitere Zwiebel- und Knollenpflanzen zu den Winterblühern, die selbst an kalten Tagen Farbe in den Garten bringen.
Philippe Dahlmann